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Richtsprüche für Wohnhäuser
Richten eines Wohnhauses
Zimmermannsspruch aus der Kemptener Gegend, um 1850 Ein Wort an Sie, verehrte Herren und Damen, die ich von dieses Hauses Höh' vor mir versammelt seh'. Sie, die zu diesem Zweck zusammenkamen, zu hören unser Dankgebet, da dieses Haus nun fertig steht.
Vernehmen Sie, was ich dem Hause wünsche und stimmen Sie dem edlen Wunsche bei: Des Hauses Pfeiler sei Gerechtigkeit und seine Schutzwehr die Wohltätigkeit; in seinem Innern wohne Frömmigkeit, als Quelle christlich froher Heiterkeit. Dazu für seinen Bauherrn eingeweiht, sei es ein Wohnsitz der Geselligkeit, der Freude und Zufriedenheit.
Beim munteren Mahle, wenn die Pokale gefüllt mit Wein im Kreis erklingen, wenn muntere Gäste in heitrer Laune den Reiz des Lebens, den Wert der Freundschaft, der Liebe Wonne dann froh besingen, dann werde auch der Leidenden gedacht und der Armut reichliche Spende gebracht.
Wohl dem, der den Reichtum besitzt auf Erden, ein Retter der leidenden Menschheit zu werden. Durch Taten der Liebe werd' ihm schon hienieden des himmlischen Beifall zum Lohne beschieden. Das sei des edlen Menschen Bestreben, darum soll vor allem recht lange in Segen unser Bauherr mit seiner Familie leben.
Hoch! Hoch! Hoch!
Zu leben in heiterem Frieden, sei ihm und den Seinigen beschieden, ihnen wrde hienieden ein bleibendes Heil durch Liebe und Freundlichkeit zuteil. Zu diesem Friedensbund da steht ein Haus auf festem Grund, doch hat ein jedes Haus klein oder groß, Hütt' oder Schloß, alt oder neu, sein Kreuz dabei. Und wird auch diesem Bau auf Erden früh oder spät sein Kreuzchen werden, ein froher, frommer Sinn zieht auch daraus Gewinn und weiß, den Vater im Himmel dort oben auch für die Stunde der Prüfung zu loben. Dies Glas, es soll den Männern gelten, die sich dem Bauherrn aller Welten als fleißige Schüler anvertrauten. Sie, deren Kunst dies Haus gebaut, der Baukunst edle Meister sollen leben. Ein freurig Hoch aus freier Brust, mit heitrer Lutz und Jugendkraft, zu ehren die edle Meisterschaft, soll jubelnd duch die Lüft schweben.
Hoch! Hoch! Hoch!
Mein zweites Glas gilt meinen Kollegen, Gehilfen und Lehrlingen allerwegen! Es schlägt das Herz in freudigem Wallen euch edlen Gesellen der Baukunst allen. Ihr seid's, die des Tages Last getragen, laßt euch mit dem redlichen Dank nun sagen, was der Baukunst Genius sinnig erdacht, hat der Fleiß eurer Hände zustande gebracht. Ein Lebehoch auf lustigen Wellen steig auf für Zimmer- und Maurergesellen.
Hoch! Hoch! Hoch!
Und nun zum Schluß gedenk' ich der Stadt, die edle Menschen in ihrer Mitte hat, moderne Männer, zarte Frauen, mit Lust zu beschauen. Gott segne die Stadt, die so viel Großes und Schönes hat. Die Jünglinge mögen in Kraft erglühn und liebliche Mädchen in Zucht erblühn. Der echten Freiheit heilige Flammen halte die Bürgerschaft in Eintracht beisammen. Bildung walte, Kunst gestalte schöner und schöner das Dasein hier, und keusche Sitte in Mitte sei ihrer Jugend beglückende Zier. So lebe hoch die geliebte Stadt, die Sinn für echte Freiheit hat.
Hoch! Hoch! Hoch!
Kurz und bündig Wir wollen gratulieren, gerichtet ist das Haus, hat Fenster und hat Türen und sieht gar stattlich aus.
Der Maurer hat's gemauert, der Zimmerer überdacht; doch daß es hält und dauert, das steht in Gottes Macht.
Schützt auch das Dach vor Regen, die Mauer vor dem Wind, so ist doch allerwegen an Gott allein gelegen, ob wir geborgen sind.
Wohnhaus (eines sparsamen Bauherren)
Es geht bestimmt auch ohne Butter, es geht auch ohne Schwiegermutter. Es ginge ohne Schintoismus und ohne Gicht und Rheumatismus. Es ginge ohne Streit und Kriege und die und jene kleine Fliege. Es ginge ohne tausend Sachen, die uns die Welt beschwerlich machen. Nur ohne uns - da geht es nicht, auch wenn das in die Nase sticht, dann selbst beim allerkleinsten Haus ist ohne uns der Zapfen aus. Drum werden wir auch meist begehrt und steigen stündlich hoch im Wert. Der Bauherr weiß das sicher auch, er kennet uns'ren Richtfestbrauch. Drum spendet er jetzt scharfe Sache, die uns und ihm viel Freude machen! Dann soll für ihn jahraus jahrein Wohlstand und Glück im Hause sein!
Kümmel
Wohnhaus Mit Gunst und Verlaub!
Hier steht gar herrlich anzuseh'n, - der Bauherr wird es gern gesteh'n - das neue Haus, stolz aufgericht'. Brav tat ein jeder seine Pflicht, der an dem Bau mit tätig war, man scheute Müh nicht noch Gefahr.
Auf starker Mauern festem Grund das Dachgespärr blickt in die Rund in seines Holzwerks voller Pracht, - recht als ein Meisterwerk gemacht, damit's für lange Zeit zum Nutz den Menschen biete sichern Schutz.
Gesegnet sei das neue Haus und die da gehen ein und aus. Den Bauherrn, seine Lieben, mög' nie ein Leid betrüben: Hoch! (trinkt)
Und allen, die hier unten steh'n, wünsch Glück ich viel und Wohnergeh'n: Hoch! (trinkt)
Der letzte Schluck, er gilt der Ehre des Handwerks, dem ich angehöre: Hoch! (trinkt)
Du, Glas, zersplittere im Grund! (wirft das Glas hinab)
Geweiht sei dieses Haus zur Stund!
Wohnhaus
Verhallet sind des Beiles Schläge, verstummt ist die geschwätzige Säge; drum preiset laut der Zimmermann - so gut wie er es eben kann - den herrlich schönen, stolzen Bau, der sich erhebt zum Himmelsblau, der unter unseres Meisters Hand zu aller Freude hier erstand.
Nun müssen andre noch vollenden den Bau, mit kunstgeübten Händen, das Innere sorgsam schmücken aus, dann wird's fürwahr ein prächtig Haus.
Mög Eintracht und Zufriedenheit darinnen herrschen allezeit. Mög Lieb' und Freundschaft schwesterlich am heim'schen Herd begegnen sich.
Mög Gott in diesem Hause sein! - Darauf trink ich den Becher Wein. Dem Bauherrn, seiner Familie und allen Anwesenden ein dreifaches Hoch! Hoch! Hoch!
Wohnhaus
mit Garten Ein Philosoph spricht frisch vom Faß: Die meisten Menschen suchen was.
Der eine Gold, der and're Ruhm, der dritte fremdes Eigentum.
Der vierte sucht im Stillen nach Viren und Bazillen.
Der fünfte wünscht sich eine Frau. Der sechste such die Blume Blau.
So mancher sucht vermessen, was er schon mal besessen.
Man sucht den Frieden, sucht den Streit, man wünscht sich eine bess're Zeit.
Ein jeder sucht ein kleines Stück vom Himmelreich und großen Glück.
Kurzum und endlich rundheraus: Die Klügsten wünschen sich ein Haus.
Ein schönes Haus im Gartengrün, ein Haus, wie dieses hier. Mög' Euch viel Freude drin erblüh'n. Jawohl, - das wünschen wir!
Kümmel
Richtsprüche für Wohnhäuser